Vor ein paar Tagen habe ich das erste Mal bewusst das Wort "Unverzeihlichkeiten" gehört. Ich würde dazu sagen "jemanden etwas nicht vergeben können". Ich habe mich aber über dieses neue Wort gefreut, da ich bei meinen Klienten schon öfters beobachten konnte, dass eine Unverzeihlichkeit für gravierende körperliche Probleme verantwortlich ist.
Bei einer Allergie, wie z.B. Heuschnupfen, steckt immer die Emotion "dagegen sein" dahinter. Wir können natürlich gegen ganz viele Sachen sein: Kinder sind oft dagegen, wenn die Eltern sich trennen, wenn sie das Handy nicht benutzen dürfen, wann immer sie wollen, wenn die Eltern die Macht über sie haben (wann sie ins Bett sollen, dass sie Zähneputzen müssen, wann sie essen kommen sollen) etc.
Erwachsene sind oft gegen Krieg, Ungerechtigkeit, den Chef, die Regierung, die Schwiegermutter, was auch immer.
Wenn wir da nichts an unserer Situation oder Einstellung dazu ändern und wir längere Zeit gegen etwas sind (und es mir somit seelisch nicht gut geht), wird mein Körper mir noch gröbere Symptome schicken: z.B. eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ich kann etwas nicht akzeptieren, nicht tolerieren, der Körper schickt mir im Gegenzug eine Intoleranz um mich darauf hinzuweisen, dass ich ja gar nicht in der Freude lebe, sondern gegen etwas bin.
Jetzt gibt es aber noch den Groll: dabei ärgere ich mich nicht nur einmal über jemanden, sondern ich ärgere mich immer wieder z.B. über eine andere Person.
Ich hatte mal eine Frau bei mir in der Praxis, die hat auf mein Fragen hin gesagt: "Ja, ich habe einen Groll und zwar auf meinen Nachbarn. Wenn der im Garten ist, gehe ich nicht raus. Wenn ich nur schon ein Auto sehe, das so aussieht wie seines, bin ich schon auf 180."
Krass, oder? Sie schränkt ihr Leben selbst ein, nur weil der Nachbar im Garten sein könnte. Sie regt sich schon auf, wenn sie irgendein Auto sieht, noch nicht einmal seines. Das ist schon logisch, dass unser Körper darauf reagiert, oder? In ihr brodelt es. Jeden Tag wieder, mehrfach. Irgendwann kocht es aber über. Dann kriegen wir z.B. eine Magenentzündung oder Sodbrennen oder Schlimmeres.
Mit meinen Klienten schaue ich solche Situationen natürlich genauer an. Wir finden im Gespräch heraus, wo die eigentliche Ursache liegt und die liegt immer in uns selbst! Wir schieben es zwar gerne auf die andere Person. Schliesslich war ja der Nachbar so gemein. Aber der ist nur derjenige, der uns triggert. Er hat nicht das Problem. Ich habe das Problem, z.B. weil ich nicht für mich einstehen kann, weil mein Selbstwert zu klein ist, weil ich mich nicht durchsetzen kann oder mich noch nicht einmal traue, etwas zu sagen.
Im Gespräch mit meinen Klienten kommen wir ziemlich schnell auf das dahinterliegende Problem und nachdem wir daran gearbeitet haben, frage ich dann "Und, möchtest du mal dem Nachbarn/ dem Exmann/ deiner Mutter/ dir selbst (oder wem auch immer) vergeben?". Das können wir gemeinsam mit einem kleinen Ritual machen. Das geht ganz schnell. Und zwar machen wir das für uns, nicht für den anderen. Wir müssen auch seine Taten nicht gut heissen, aber wir vergeben sie, damit wir sie loslassen können und nicht immer wieder daran zurückdenken müssen. Und ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass es jedem danach besser ging.
Im letzten Jahr hatte ich aber auch einige Klientinnen, die gesagt haben, dass sie der anderen Person (Exmann, Arzt, der einen Fehler gemacht hat, Steuerberater etc.) nicht vergeben wollen. Das ist unverzeihlich.
Oh! Ich dachte, dass ich genügend aufgezeigt hatte, dass wir die Vergebung ja nicht für den anderen machen, sondern für uns, damit es MIR wieder gut geht. Damit ICH das Thema wieder loslassen kann, damit ICH wieder gesund werde. Dennoch: "Nein, ich will dem anderen nicht vergeben."
Da muss ich leider sagen: OK, das akzeptiere ich natürlich, es kann dann allerdings sein, dass ich dir nicht helfen kann, wieder ganz in die Gesundheit zu kommen. Denn das wird ein Grund sein, dass der Körper immer wieder Symptome zeigen wird.
Wenn du ein Thema hast, dass du gerne mal hinter dir lassen würdest, melde dich bei mir. Du weisst ja, wo du mich findest.
